
Die Skulpturen von Paul Wallach folgen einer strengen, konstruktiven Logik. Wir nehmen sie nicht als statische Objekte wahr, sondern als Bewegungen, die in einen wechselseitigen Austausch mit dem umgebenden Raum treten. Die Wand wird dabei zugleich Ausgangspunkt und Resonanzfläche: Die Arbeiten lösen sich von ihr und entfalten sich in den Raum hinein, wo sie in einem Zustand fragiler Balance erscheinen. Wallachs Werke bestehen vor allem aus einfachen, heterogen verbundenen Materialien – Holz, Gips, Glas oder Leinwand –, die miteinander in Dialog treten. Den Künstler interessiert nicht das stabile Gleichgewicht der Dinge, sondern die fragile Balance, die sie finden. Seine Skulpturen thematisieren das Verhältnis von Schwerkraft und Material, Präsenz und Abwesenheit, Gewicht und Leere. Der Raum zwischen den einzelnen Strukturen, der Zwischenraum oder das Vakuum, wird dabei zu einem konstitutiven Moment: zu einer aktiven Kraft, die das Werk mitformt. Durch diese bewusste Offenheit wird der Ausstellungsraum Teil der Arbeit; die Grenzen zwischen Werk und Umgebung, Innen und Außen werden selbst zum Spiel. Wallachs Skulpturen sind keine in sich geschlossenen Objekte, sondern Gesten im Raum und in der Zeit, die sie mit dem Betrachter teilen und deren Bedeutung sich erst in dessen Erfahrung manifestiert. Die Arbeiten fordern den Betrachter dazu heraus, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Sie sprechen im Zusammenspiel von Schwerkraft, Material und Raum. So erscheinen die Skulpturen als Resonanzfelder – als sensible Systeme von Konzentration und Ausdehnung, Spannung und Entspannung. Sie offenbaren die Bewegung, die jedem Gleichgewicht zugrunde liegt: das ständige Aushandeln zwischen Halt und Fall, Sichtbarem und Unsichtbarem, Berührung und Distanz. Diese Balance bleibt eine offene Metapher für den flüchtigen Moment der Stabilität. Wallach sucht den Punkt, an dem Gleichgewicht entsteht und zugleich bereits wieder ins Kippen geraten kann. In dieser Fragilität liegt die eigentliche Radikalität seiner Kunst: Das Werk scheint in permanenter Bewegung, wie das Still eines Prozesses, der jederzeit eine andere Form annehmen könnte. So wird im Vorübergehenden ein Versprechen sichtbar – eine vorweggenommene Verwandlung des Bestehenden. Paul Wallach, 1960 in New York geboren, lebt und arbeitet seit 1994 in Paris. Seine Werke wurden in bedeutenden Institutionen gezeigt, darunter im Domaine de Kerguehennec, Bignan, im Musée d’Art Moderne et Contemporain, Saint-Étienne, im Museum Folkwang, Essen, im Gemeentemuseum, Den Haag, sowie im Rahmen des Kunstprojekts Krauthügel der Salzburg Foundation.
Ausstellungsdaten
22.11.2025 - 24.01.2026
Adresse
Galerie Bastian Taylorstraße 1 14195 Berlin Germany
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