Der Zauber früher Fotografien Das 19. Jahrhundert erfindet die Fotografie

Der Zauber früher Fotografien Das 19. Jahrhundert erfindet die Fotografie

31.01.2026 - 28.02.2026

31.01.2026 - 28.02.2026

Vor zweihundert Jahren begann die Geschichte der Fotografie — ein Medium, das unsere Wahrnehmung und unser Leben stärker geprägt hat als das geschriebene Wort. Die Galerie Bastian widmet den Anfängen dieses Mediums der visuellen Kultur eine Ausstellung mit einer Auswahl herausragender Bilder. 1826 experimentierte der Franzose Joseph Nicéphore Niépce mit Belichtung. Er hielt den Blick aus seinem Atelier in Saint-Loup-de-Varennes in Burgund mit einer Camera obscura auf einer mit Asphalt beschichteten Zinnplatte fest; sein Bild gilt heute als die älteste erhaltene Fotografie. Das Sonnenlicht hinterließ im Verlauf mehrerer Stunden eine dauerhafte Spur auf dem unspektakulären Motiv einer Heliografie (ein Begriff aus dem Griechischen: „von der Sonne gezeichnet“). Jahre später entwickelte Louis Daguerre die Daguerreotypie (1839), ein direktpositives Verfahren, das Bilder von bis dahin unerreichter Detailgenauigkeit auf versilberten Kupferplatten hervorbrachte. Mit William Henry Fox Talbots Kalotypie (1840), einem mit Silbernitrat und organischen Säuren behandelten Papier, wurde das erste Negativverfahren erfunden, das die Vervielfältigung von Bildern ermöglichte. Die folgenden Jahrzehnte waren von raschem Wandel geprägt: Neue fotografische Techniken entstanden, etwa das Nasskollodiumverfahren (nitrierte Zellulose) auf Glas, das im noch feuchten Zustand belichtet werden musste, oder Albuminabzüge auf mit Eiweiß und Natriumsalzen beschichtetem Papier. Fotografen reisten mit aufwendigen mobilen Dunkelkammern. Der Zauber früher Fotografien ist eng mit dem Geist der Entdeckung verbunden. Europäische Fotografen bereisten die Welt, erkundeten Landschaften, Monumente und Naturphänomene und machten sie sichtbar. Zugleich experimentierten sie mit den technischen Möglichkeiten des neuen Mediums — mit Belichtungszeiten, Materialien und Verfahren, die noch nicht standardisiert waren. Die warmen Braun-, Sepia- und Goldtöne der Abzüge sind kein Zufall; sie sind nicht bloß das Ergebnis chemischer Reaktionen. Vielmehr entfalten sie eine eigene künstlerische Qualität, die sich in ihren feinen Nuancen zeigt. Aus Entdeckung und Experiment entstand ein ästhetisches Medium, das erst Jahrzehnte später als Kunstform anerkannt wurde. Die in unserer Ausstellung gezeigten Bilder führen uns nach Europa, Algerien, Ägypten, Nubien und in das Eis des Nordens — an Orte, die im 19. Jahrhundert vermessen, bereist und imaginiert wurden. Fotografen wie William Henry Fox Talbot, Hippolyte Fizeau, Gustave Le Gray, Francis Frith und Eugène Piot zeigen uns eine heute verlorene Welt. Le Grays Seestücke entstanden an der normannischen Küste und am Mittelmeer bei Sète. Sie zeigen Wolkenformationen über einem Meer, das mal ruhig, mal stürmisch ist und sich dem Betrachter unendlich öffnet. Durch die Kombination mehrerer Negative macht Le Gray Bewegung nicht nur sichtbar, sondern erzeugt sie. Der junge John Beasley Greene hingegen fotografierte die Landschaften und Monumente Algeriens, Ägyptens und Nubiens. In Greenes Werk nimmt die Leere einen eigenen Raum ein: die Weite monotoner Himmel und menschenleerer Landschaften. Sein Blick verweilt auf Monumenten und Ruinen, Relikten einer vergangenen Zivilisation. Alle Motive scheinen aus der Distanz zu schweben. Raum und Zeit verlieren ihre feste Ordnung; Horizonte gleiten ins Irreale. Gustave Le Gray, Grande Vague – Cette [Sète], 1856–1858, Courtesy Bastian Gallery

Ausstellungsdaten

31.01.2026 - 28.02.2026

Adresse

Galerie Bastian Taylorstraße 1 14195 Berlin Germany

Ausstellungsansichten

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© 2026 Galerie Bastian.

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